Dr. med. Martin Breinesberger
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BEHANDLUNGSBEISPIEL

 

Frau K., 36 Jahre, Hausfrau mit Hauptdiagnose rechtsseitiger Ischialgie (Ischiasschmerz)

Bildgebend zeigt sich zwischen dem untersten Lendenwirbel und dem Kreuzbein eine deutliche Bandscheibenvorwölbung und ein leicht „verdrehtes“ Kreuzbein.

Diese stehen scheinbar in unmittelbarem Zusammenhang mit den Symptomen (Irritationsschmerz am Rücken, der über das Gesäß in den hinteren und seitlichen Bereich des rechten Oberschenkels einstrahlt; deutliche Verstärkung beim Husten oder Pressen). Die Schmerzsymptomatik ist pseudoradikulär, d.h. keiner bestimmten Wirbelsäulenetage zuzuordnen. Alle neurologischen Untersuchungen gaben keine weiteren Hinweise.

Bei der ausführlichen Befunderhebung gibt die Patientin an, vor einigen Jahren bei einem Verkehrsunfall ein massives Schleudertrauma erlitten zu haben. Sie berichtet außerdem von einer operativen Entfernung des rechten Eierstocks nach akuter Entzündung. Zudem brach sie sich als Jugendliche das rechte Sprunggelenk. Gegen Ende der ersten Stunde erwähnt die Patientin noch, dass sie sich gegenwärtig in kieferorthopädischer Behandlung zur Bissregulierung befindet. Sich häufende Migräneanfalle im Bereich der rechten Schläfe gibt sie als neuestes und immer im Zusammenhang mit den Ischiasschmerzen auftretendes Symptom an. Die Patientin wirkt sehr klar und interessiert.

 

Beurteilung

Bei der Beurteilung der Befunderhebung fiel auf, dass sich bei der Patientin alle Angaben auf die rechte Seite beziehen. Weiterhin schienen die angesprochenen Punkte sehr dezentral und vor allem NICHT im Bereich der Schmerzen zu liegen. Dennoch könnte man folgende rein theoretische Zusammenhänge konstruieren:

 

Schleudertrauma

Eine plötzlich einwirkende Beschleunigung im Kopf- und Halsbereich kann zu anhaltenden Fehlstellungen oder Blockierungen sowohl im Halswirbel- als auch im Kopfbereich geführt haben (z.B. Kiefergelenk). Früher oder später muss die Wirbelsäule und damit auch der lumbale (untere) Bereich Kompensationsaufgaben übernehmen, die möglicherweise zu einer Überlastung der Bandscheiben geführt haben.

 

Bissregulierung

Ein Fehlbiss führt i.d.R. zu einseitigen Belastungen des Kieferbereichs, die sich über die Schädelknochen in die Wirbelsäule übertragen haben können.

 

Kopfschmerz

Da die Kopfschmerzen noch nicht lange, sehr lokal und im Zusammenhang mit der Lumbalgie auftreten, könnten auch hier Zusammenhänge, z.B. über die Gehirnhäute, bestehen.

 

Sprunggelenksfraktur

Durch jahrelange Fehlstellung entwickelt sich eine dezente Fehlhaltung, die primär im unteren Bereich der Wirbelsäule, aber auch im Kreuzbein-Darmbeingelenk (ISG) kompensiert wird.

 

Eierstockentfernung

Interne Vernarbungen können umliegendes Gewebe und damit schließlich auch das Kreuzbein „ins Innere“ ziehen. Wieder erfolgt eine langsame Überlastung des lumbalen Bereichs.

 

Zusätzliche Überlegungen

Die o.a. Überlegungen sind aber, wie schon erwähnt, rein theoretisch und daher für den Osteopathen zunächst nur von nachrangiger Bedeutung. Um sich in diesem komplexen Fall zu orientieren, bedarf es zunächst einer ausführlichen manuellen Untersuchung des gesamten Körpers. Die so in die Hände des Osteopathen fließenden Informationen stellen die Grundlage aller weiteren Befunde dar. Interessanterweise widersprechen diese Informationen nicht selten den theoretischen Überlegungen oder decken neue Zusammenhänge auf. Ein guter Osteopath wird in diesem Fall theoretische Vorüberlegungen umgehend verwerfen und IMMER den Ergebnissen der manuellen Diagnostik anpassen.

 

Die osteopathische Diagnose/Therapie

Am auffallendsten war eine deutliche Gewebeanziehung im rechten Unterbauch (Eierstockentfernung?), die mit viszeralen (die inneren Organe betreffenden) Techniken zur Mobilisierung des Narbengewebes angegangen wurde. Nach der dritten Sitzung wanderte das Haupteinflussgebiet zum Hinterhaupt. Konsequenterweise wurde die Behandlung dort fortgesetzt, bis auch dieser Bereich wieder in das Fließgleichgewicht des Körpers integriert war. Zwei Sitzungen später berichtete die Patientin von einer nachhaltigen Besserung der Schmerzsymptomatik. Das rechte Sprunggelenk stellte sich als kleinster Einflussfaktor dar und wurde in der neunten und zehnten Sitzung behandelt.

Nach Abschluss der Bissregulierung wurden noch Techniken im Kopf- und Nackenbereich angewendet. Die Patientin wurde sechs Wochen danach erneut zwei Stunden wegen leichter, wieder aufflammender Kopfschmerzen behandelt. Hierbei handelte es sich um übliche Anpassungsvorgänge nach einer Bissregulierung. Nach insgesamt 12 Sitzungen war die Patientin bezüglich ihrer zu Beginn festgestellten Symptomatik vollkommen beschwerdefrei.

 

Wichtige Anmerkung

Es handelt sich um ein authentisches Behandlungsbeispiel mit optimalem Therapieerfolg.

Der Grad dieses Erfolges hängt dabei wie bei allen Behandlungsformen von zahlreichen Faktoren ab. Im o.a. Fall handelte es sich überwiegend um funktionelle Störungen, d.h. die symptomatisch betroffenen Strukturen im lumbalen Bereich waren zwar belastet, aber intakt und kompensationsfähig. Zudem bestanden keine akuten Verletzungen, Entzündungen oder ernste Erkrankungen. Einen entscheidenden Anteil am Erfolg hatten aber auch das Interesse der Patientin, ihre aktive Mithilfe, die Bereitschaft zur Eigenwahrnehmung und eine unauffällige psychische Verfassung.

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